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Haifischflossen-Suppe

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Schon seit der Ming Dynastie galt die Haifischflossen-Suppe in China als eine Delikatesse, die damals nur von dem Kaiser und seinen Gästen gegessen wurde und noch bis vor zwanzig Jahren wurde die Suppe hauptsächlich in Hong Kong und anderen Städten mit einer chinesischen Bevölkerung serviert, aber nur sehr selten im eigentlichen China. Dieser damalige relativ geringe Konsum stellte somit auch keine Gefahr für das Überleben der Haie dar.

Doch heute erfreuen sich immer mehr der 1,6 Milliarden Chinesen eines zunehmenden Wohlstandes und die Haifischflossen-Suppe ist bei Banketten, Geschäftsessen und Hochzeiten immer beliebter, zum Teil sogar obligatorisch geworden. Um diesen ständig steigenden Konsum decken zu können, werden nun sehr viele Haie für die Suppe gefangen.

Über 100 Millionen Haie werden jährlich hauptsächlich wegen dieser steigenden Nachfrage nach Haifischflossen-Suppe getötet.

Jedes Jahr wandern davon 26 bis 73 Millionen Haiflossen alleine über die Haifischflossen-Märkte in Hong Kong. Doch die Haie, die dafür gefangen werden, sterben nicht wegen ihrem Fleisch, sondern wegen ihrer wertvollen Flossen, von denen die Teuersten mehrere hundert US-Dollar kosten können. Der Durchschnittspreis für Haifischflossen liegt bei ungwefähr 40 $ pro Pfund, während im Vergleich dazu das Fleisch der Haie sehr viel billiger, folglich wertloser, ist, als das der meisten Fische.

In den überwiegenden Teilen der Ozeane sind die Haibestände in den letzten 20 Jahren um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Dieses Problem wird zusätzlich durch die langsamen Vermehrungsraten der Haie verschärft, die erst sehr spät geschlechtsreif werden und dann auch nur wenige Junge zur Welt bringen. Viele Arten schaffen es so nicht, die Unmengen der für den Haiflossenhandel getöteten Tiere zu ersetzen und schrumpfen weiterhin sehr stark.

Im Gegensatz zu den normalen Fischen kommt den Haien in den Meeren eine besondere Rolle zu. Sie stehen dort an der Spitze der Nahrungskette, halten die Fischbestände gesund und die Zahl der Tiere konstant und erhalten so das biologische Gleichgewicht.

Dementsprechend hat die Vernichtung der Haie überall dort, wo sie stattfindet, schwerwiegende Folgen. So nehmen die Fische, die sonst von den Haien gefressen wurden, überhand. Gibt es in einer Region keine Haie mehr, vermehren sich z.B. die Rochen stärker und fressen dann viel mehr Schalentiere. Somit gäbe es auch für die Menschen weniger Muscheln etc. zu essen und auch das Wasser würde nicht mehr durch die Tiere gefiltert und gesäubert werden. Dass dies nicht einfach nur bloße Spekulationen sind belegen etliche Studien. Sie alle bestätigen, dass die Ausrottung der Haie ebenfalls zum Verlust von begehrten Fischarten und zu einer empfindlichen Störung des Ökosystems führt.

Haie haben über 450 Millionen diese Welt bevölkert, doch jetzt sind wir auf dem besten Weg sie innerhalb der nächsten paar Jahre auszulöschen.

Dann wird es keine Haifischflossen-Suppe mehr geben, anderes beliebtes Seafood wird ebenfalls verschwunden sein und die Ozeane werden nicht mehr das ausgewogene Meeresleben beherbergen, das wir zum Überleben brauchen. Daher ist schon alleine aus der Perspektive des puren Eigennutzens die Haifischflossen-Suppe sehr problematisch.

Wir können unseren Teil zum Schutz der Tiere und somit auch zu unserem Schutz beitragen, indem wir keine Haifischflossen-Suppe essen und unsere Familien, Freunde und Bekannten ebenfalls dazu bewegen, auf sie zu verzichten. Abgesehen davon schmeckt die Haifischflossen-Suppe nicht nach Hai, sondern besteht in der Regel aus Hühnerbrühe und besitzt auch nicht den ihr zugeschriebenen hohen Ernährungswert. Sie mag allemal einen kulturellen Wert haben, essentiell für unsere Ernährung ist sie nicht. Wenn wir trotz alledem Haifischflossen-Suppe essen wollen, so ist eine haifreie Haifisch-Suppe eine Alternative, die nicht nur billiger ist, sondern bei der auch viele Menschen keinen Unterschied zur „echten“ Suppe schmecken.

Ausgewogenheit und Maßhalten sind die geschätzten Grundsätze des traditionellen chinesischen Lebensstils. Wir alle können uns stolz und ehrbar machen, indem wir durch den Verzicht auf Haifischflossen-Suppe unser Ökosystem wieder in sein Gleichgewicht bringen.

 

Referenzen

Perspectives: Social, Economic, and Regulatory Drivers of the Shark Fin Trade, SHELLEY CLARKE E.J. MILNER-GULLAND Imperial College London, Marine Resource Economics, Volume 22, pp.             305–327 - 2007      

You can swim but you can't hide: the global status and conservation of oceanic pelagic sharks and rays, Aquatic Conservation: Marine and Freshwater Ecosystems (2008), NICHOLAS K. DULVY, JULIA K. BAUM, SHELLEY CLARKE, LEONARD J. V. COMPAGNO, ENRIC CORTES, ANDRES DOMINGO, SONJA FORDHAM, SARAH FOWLER, MALCOLM P. FRANCIS, CLAUDINE GIBSON, JIMMY MARTINEZ, JOHN A. MUSICK, ALEN SOLDO, JOHN D. STEVENS and SARAH VALENTIN.

The Conservation Status of Pelagic Sharks and Rays: Report of the IUCN Shark Specialist Group, Pelagic Shark Red List Workshop – 2007, Compiled and edited by:  Merry D. Camhi, Sarah V. Valenti, Sonja V. Fordham, Sarah L. Fowler and Claudine Gibson

The International Trade of Shark Fins: Endangering Shark Populations Worldwide - Oceana CITES Report - March 2010

Shark Finning: unrecorded wastage on a global scale, Sept. 2003 A Report by WildAid and Co-Habit

Review of Fisheries and Processes Impacting Shark Populations of the World, By Terence I. Walker - Marine and Freshwater Resources Institute, PO Box 114, Queenscliff, Victoria, Australia 3225